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Fischer, D; Thomas, S M; Stahlmann, R; Beierkuhnlein, C: Der Klimawandel als Herausforderung für biogeographische Analysen von Krankheitsvektoren - Szenarien für Bayern in Strobl, Blaschke, Griesebner: Angewandte Geoinformatik: Beiträge zum 21. AGIT-Symposium Salzburg, Wichmann, 208-217 (2009)
Abstract:
Der Klimawandel bringt eine Reihe von Risiken für die menschliche Gesundheit mit sich, wie beispielsweise erhöhte Mortalitätsraten bei vermehrt auftretenden sommerlichen Hitzetagen. Daneben scheinen sich zudem ehemals als tropisch bzw. subtropisch geltende Infektionskrankheiten, begünstigt durch den Klimawandel, in höhere Breiten auszuweiten. Insbesondere Insekten gelten als äußerst mobile Krankheitsüberträger, die ihre Lebensräume aufgrund der globalen Erwärmung in naher Zukunft vergrößern oder verschieben könnten. Das rechtzeitige Erkennen möglicher neuer Gesundheitsrisiken durch vektorübertragene Infektionskrankheiten stellt eine neue Herausforderung dar. Um die künftigen Ausbreitungsgebiete dieser Vektoren abschätzen zu können, werden zunächst möglichst detailliert deren Umweltanforderungen ermittelt und mithilfe geostatistischer Methoden ausgewertet. Einige Sandmückenarten wie Phlebotomus perniciosus, Krankheitsübertäger der Leishmaniose, beschränken sich bereits nicht länger auf mediterrane Gebiete und werden voraussichtlich zunehmend in höhere Breiten vorstoßen können. Beim Übertrag der ermittelten Umweltnische der Vektoren auf künftige klimatische Bedingungen in Bayern werden regionale Klimamodelle benutzt, womit künftige Auftretenswahrscheinlichkeiten der Krankheitsüberträger ermittelt werden können. Darüber hinaus muss das ökologische Zusammenspiel zwischen Erreger, Reservoirwirt und Krankheitsüberträger näher verstanden werden. Um die Gefahr exotischer vektorübertragener Infektionskrankheiten für Bayern unter künftigen Klimabedingungen abschätzen zu können, ist die fachübergreifende Zusammenarbeit von Medizinern, Geographen, Biologen und Ökologen nötig.

Letzte Änderung 21.09.2010