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Balzer, S: Populationsökologische Untersuchungen an <i>Dactylorhiza sambucina</i> (L.) SOO (Orchidaceae) im Frankenwald, Nordost-Bayern, Bayreuther Forum Ökologie, 81, 1-196 (2000)
Abstract:
Das Holunderknabenkraut (Dactylorhiza sambucina) ist eine charakteristische und einstmals häufige Orchideenart der montanen Wiesen des Thüringer, Franken- und Bayerischen Waldes. In der vorliegenden Studie werden die Ursachen des starken Rückgangs der Art mit Hilfe populationsökologischer, vegetationskundlicher und mikroklimatischer Methoden für das Untersuchungsgebiet Frankenwald analysiert.
Die Blühphänologie lässt eine zeitliche Strategie der Orchidee zur Raum- und Lichtnutzung erkennen: Der frühe Blühtermin vor der Hauptwachstumsphase der anderen Wiesenpflanzen ermöglicht der Art auch bei niedrigen Wuchshöhen ausreichende Assimilation und erfolgreiche Anlockung potentieller Bestäuber. Da eine vegetative Vermehrung nicht stattfindet, kommt der Blüten- und Fruchtentwicklung eine Schlüsselrolle beim Aufbau der Populationen zu. Wichtige Stellgrößen bei der Regulation der Blüten- und Fruchtentwicklung sind Größe (und Ernährungszustand) der Pflanze und die Auffälligkeit der Blüten für die Bestäuber. Hierbei spielen insbesondere der Blühzeitpunkt, die Blütenzahl- und Blütenstandshöhe, die Individuendichte sowie die räumliche Nähe mehrerer Teilpopulationen zueinander bedeutende Rollen. Neben der Gefahr eines zu frühen Mahdzeitpunktes wird die Blüten- und Fruchtentwicklung durch niedrige Temperaturen oder Spätfröste negativ beeinflußt.
Auf der Grundlage dieser Ergebnisse werden naturschutzfachliche Empfehlungen zur Erhaltung der Art abgeleitet. Neben der einschürig-ungedüngten Bewirtschaftung der Bärwurz- und Rotschwingel-Rotstraußgraswiesen sind hohe Reproduktionsraten des Holunderknabenkrautes nur gegeben in einem Umfeld, welches auch den Habitatansprüchen der Bestäuber entspricht. Maßnahmen zum Erhalt der Art ausschließlich am Wuchsort der Orchidee selbst reichen nicht aus, da Verinselungs- und Isolationseffekte als auch Beschattungen durch benachbarte, aufwachsende Fichtenaufforstungen zum Rückgang der Art führen.


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last modified 2004-11-15